Lifestyle

Wie eine Dating-App mein Leben veränderte

26. April 2018
pixabay/Bru-nO

Es gibt im Leben manchmal diesen einen Moment, in dem dir klar wird: “Nichts ist mehr, wie es vor wenigen Minuten noch war!” Der Moment, der dein Leben völlig auf den Kopf stellen wird. Einen solchen Moment habe ich vor fast vier Jahren erlebt. Die Dating-App Lovoo hat einen großen Teil dazu beigetragen, obwohl ich sie eigentlich längst abschreiben wollte. Sie hat ihre letzte Chance genutzt. Von dieser Chance möchte ich euch heute berichten.

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, wann genau ich mir Lovoo auf dem Smartphone installiert habe. Davor hatte ich Badoo benutzt. Offensichtlich mit nur mäßigem Erfolg sonst wäre Lovoo nicht nötig gewesen. Meine beste Freundin hat mir von dieser App berichtet und meinte ich, solle sie doch mal installieren. Das muss etwa im April/Mai 2014 gewesen sein. Ziemlich genau ein Jahr nachdem mir der Boden unter den Füßen weggerissen wurde und mir der wichtigste Mensch in meinem Leben genommen wurde. Doch es musste weitergehen. Das wusste auch meine beste Freundin. Sie war in dieser Zeit für mich da und hat mir, wie gesagt, die App empfohlen. Auch wenn ich so absolut keinen Bock darauf hatte, ließ ich mich am Ende doch dazu bequatschen und lernte jemanden kennen, von dem ich zunächst dachte: “Das könnte was werden!” Aber Satz mit X – das war wohl nix. Es war wohl einer der größten Fehlgriffe, die ich je gemacht hatte.

Letzte Chance für die Dating-App

Am Ende ließ ich mich wieder bequatschen, der App noch eine letzte Chance zu geben. Gesagt, getan. Ende Juli wurde sie reaktiviert. Zunächst wieder nur mit mäßigem Erfolg. DER Glücksgriff war nicht dabei. Nette Gespräche – aber alles blieb virtuell und passte nicht. Ich war Mitte August schon wieder kurz davor, alles hinzuschmeißen, mir zehn Katzen zu kaufen und mein restliches Leben als Catlady dahin zu vegetieren … das war tatsächlich mein Plan. Doch dann geschah es: ER tauchte auf meinem Display auf. Getreu dem Motto “Selbst ist die Frau” habe ich ihn angeschrieben. Wobei ich eigentlich dachte, er würde nicht zurückschreiben und wenn doch, wird es maximal ein nettes Gespräch wie vorher auch. Doch das sollte sich als Irrtum herausstellen. Ich habe allen Ernstes eine Antwort bekommen. Er meldete sich bei mir und fragte mich nach meiner Handynummer. Natürlich war ich zunächst zögerlich und wollte nicht damit rausrücken. Man gibt einem Fremden nicht einfach die Telefonnummer. Merkt euch, das Kinder! ;-)

Wie soll das gehen?

Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht durch das Argument “Lovoo funktioniert auf meinem Handy nicht richtig und ich würde gerne weiter mit dir schreiben” bequatschen lassen würden. Schwupps Handynummer raus gerückt. Kurz darauf folgten Gespräche via WhatsApp. Wir verstanden uns sofort. Es war als würden wir uns schon ewig kennen. Jetzt kommt der Clou. Wir fanden schnell heraus, dass wir uns fast früher kennengelernt hätten, wenn ich nach der vierten Klasse an die Schule gekommen wäre, an die ich eigentlich wollte, von der meine Mutter aber dachte, sie sei zu weit weg. So kam es, dass er einige Leute kannte, die ich auch von früher kannte. Gesprächsstoff gab es somit zu genüge. Nach einigen Tagen gingen wir dann zu Telefonaten über. Es fühlte sich alles richtig an. Unser erstes Telefonat ging über Stunden … lange genug, dass die Verbindung zweimal unterbrochen wurde, weil mein damaliger Anbieter nach zwei Stunden die Verbindung kappt. Jetzt könnt ihr selbst rechnen ;-) Wir waren also auf einer Wellenlänge, obwohl wir eigentlich aus zwei verschiedenen Welten kommen. Ich – das Arbeiterkind, das es an die Uni geschafft hat. Er – Akademikerkind mit gut betuchtem Hintergrund.

Raus aus dem Internet – in die Realität

Nach etwa zwei Wochen dann die Entscheidung: Es war Zeit für das erste Treffen. Himmel, war ich nervös. Meinen Eltern, bei denen ich gerade wieder eingezogen war, habe ich auf die Nase gebunden, dass ich mit einer Freundin ins Kino gehe … Ich war im Kino. Aber nicht mit einer Freundin ;-) Ich bin also am 26. August nach Kaiserslautern gefahren. Natürlich habe ich sämtliche Vorkehrungen getroffen. Meine besten Freundinnen wussten, wo ich war. Sicherheit geht vor! ;-) Er hat mich am Parkplatz abgeholt und wir sind zunächst Spazieren gegangen und haben erzählt. Ich weiß nicht mehr alles, aber ich habe teilweise einen Haufen Mist gelabert. Gut, dass mir sonst niemand zugehört hat. Anschließend sind wir noch in ein Café. Auch dort haben wir einfach weitererzählt über Gott und die Welt. Die drei Stunden bis zum Kinofilm vergingen wie im Flug. Das sollte doch ein gutes Zeichen sein.
Im Kino hatten wir dann unsere Plätze eingenommen. Direkt vor einer ehemaligen Mitschülerin von mir. Doch sie erkannte mich nicht. Vielleicht wollte sie es auch nicht. Mir sollte es recht sein, denn das konnte ich gerade gar nicht gebrauchen. Er flirtete übrigens die ganze Zeit wie verrückt mit mir und ich fühlte mich sehr wohl damit. Das wollte ich mir nicht durch eine ehemalige Mitschülerin versauen lassen. Geschickt hatte er es auch geschafft, sich meine Hand zu schnappen. So verging die Zeit. Während des Films “Monsieur Claude und seine Töchter” war reden kaum drin. Also vertagten wir das auf anschließend. Doch danach war die Zeit knapp bemessen, denn ich musste wieder nach Hause. Also brachte er mich zu meinem Auto. Dort war dann Showdown angesagt. Ich wusste, jetzt war es an der Zeit, dass ich ein Zeichen gebe, dass ich ihn wieder treffen wollte. Denn dass er das wollte, das war recht schnell klar. Also nahm ich meinen Mut zusammen und umarmte ihn zum Abschied.

Liebe mit Scrabbel-Buchstaben (Bildrechte: pixabay/Nietjuh)

Wenn aus einem Date die Zukunft wird

Auf der Rückfahrt rief ich meine beste Freundin an. Die wollte natürlich wissen, wie es gelaufen ist. Doch ich hielt mich bedeckt. Wirklich sicher war ich mir eigentlich nicht, ob es etwas werden könnte, ich wusste nur, dass wir uns erneut verabreden wollten. Das erzählte ich ihr auch. Sie war anschließend ein wenig skeptisch, aber meinte ich sollte es nochmal versuchen. Gesagt getan. Bereits am 3. September fuhr ich erneut nach Kaiserslautern zum zweiten Daten. Wir hatten uns zum Essen verabredet … bei ihm … Ja, ich war wahnsinnig genug bereits beim zweiten Date zu ihm nach Hause zu gehen, obwohl ich nicht mal genau wusste, wo das war. Also hätten meine Freunde meine Leiche auch nicht ausfindig machen können ;-) Aber ihr lest diesen Blogbeitrag … ich lebe noch :-D … Nach einem kurzen Einkauf liefen wir zu seiner Wohnung. In einer WG. Erfahrung mit Wohngemeinschaften hatte ich zuvor noch nicht. Einfach mal was Neues. Gemeinsam bereiten wir Burger zu … na ja … zunächst zeigte er mir die Wohnung. In seinem Zimmer blieben wir dann auch kurz. Ich setzte mich auf sein Bett, weil er keine Couch hatte und auf einem Schreibtischstuhl nicht genug Platz ist für zwei. Er setzte sich neben mich. Ich wollte ihm eigentlich irgendein Foto zeigen. Ich weiß heute nicht mehr welches. Keine Ahnung vergessen. Und zwar in dem Moment, als er mich plötzlich aus heiterem Himmel und für mich völlig unerwartet küsste. Und dann kam der Moment, mit dem ich alles hätte wieder kaputt machen können. Ich drücke ihn weg. Für mich war in diesem Augenblick meine Vergangenheit im Weg. Er wusste davon. Bei unseren Telefonaten hatten wir darüber gesprochen. Zu meiner Überraschung verstand er meine Reaktion. Okay, dass ich mir einige Tränen unterdrückte, war eigentlich peinlich, aber was soll’s? Genau dieser Moment änderte alles. Statt alles zu beenden, bevor es angefangen hatte, zeigte er Verständnis und war da. Irgendetwas in meinem Kopf sagte mir plötzlich: “Er ist es!” und ich ließ mich auf einen erneuten Kuss ein.

Ein Kuss, der alles verändert

Bevor jetzt Gerüchte entstehen: Es blieb beim Küssen :-P Die Burger waren nicht vergessen. Gemeinsam bereiteten wir diese dann auch zu. Und während er die Patties anbriet, schrieb ich eine Nachricht an meine beste Freundin: “Ich glaube, ich bin fündig geworden!” Sechs Worte, mit denen ich deutlich gemacht habe, was gerade geschah. Ich wusste nicht, was ich richtig sagen sollte. Gemeinsam haben wir dann auch gegessen und ich musste, wie beim letzten Mal auch wieder nach Hause … Meine Eltern dachten schließlich erneut, ich sei mit einer Freundin unterwegs. Auf dem Rückweg telefonierte ich wieder mit meiner Besten, die mir kaum glauben wollte, weil ich nach dem ersten Date so unsicher war. Den Teil mit der Unterbrechung verschwieg ich, weil es mir ein wenig peinlich war. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob sie es nicht jetzt auch erst erfährt, wenn sie diesen Text lesen sollte. Falls ja: SORRY :-D In dem kommenden Tagen fuhr ich noch einmal zu ihm und dann ein cleverer Schachzug. Ich hatte meine Jacke vergessen … als ob ;-) … und Mädchen haben IMMER kalt. Also lieh er mir eine Cardigan von sich, die ich mit nach Hause nehmen durfte, bis zum nächsten Mal. Auf diese Weise konnte ich meinen Eltern dann auch beichten, dass meine Freundin, mit der ich mich angeblich getroffen hatte, nicht ganz so weiblich war, wie sie dachten ;-)

Schaulaufen bei den besten Freundinnen und ELTERN

Bereits zwei Wochen nach dem Kuss, der absolut alles veränderte, lud eine meiner besten Freundinnen zu ihren Geburtstag ein, mit der Info, ich solle ihn doch mitbringen. Das bedeutete für mich: Es würde an diesem Tag nicht bei der Begegnung mit den Freundinnen bleiben. Nein, er würde auch meine Eltern kennenlernen. Damit war die Sache aber auch ziemlich klar. Ich stellte ihn zu Hause als meinen Freund vor. Somit waren alle Unklarheiten beseitigt.

Diese Ereignisse sind im August/September vier Jahre her. Es folgte die Zeit meines Lebens, die immer noch andauert. Ich habe mit ihm das Puzzleteil gefunden, das mich vervollständigt. Es war nicht immer alles einfach, aber es war richtig! Und das zählt. Nachdem ich noch 1 1/2 Jahre zuvor durch die Hölle gegangen war, hatte ich nun wieder richtig Halt gefunden. Zumal ich mich nur zwei Monate vorher von meinen Freundinnen aus Mainz verabschieden musste, weil ich wieder nach Hause gezogen bin. Er gibt mir immer wieder das Gefühl, dass alles so ist, wie es sein soll. Wir haben in den letzten 3 1/2 Jahren zusammen einiges durchgemacht. Höhen und Tiefen – beides hat unsere Beziehung gestärkt. Es wird in absehbarer Zukunft wieder einige Änderungen und Umbrüche geben, doch wir sind sicher, dass die uns nichts anhaben können.

True loves kiss

Damit komme ich dann auch zum Ende meiner Lovestory. Auch wenn ich vermutlich noch ein paar Dinge hätte erzählen können, aber der Text ist so schon sehr lange und ich habe Bedenken, dass ihn überhaupt jemand bis zum Ende lesen wird :-D Übrigens: Der 26. April ist in den USA der Remember Your First Kiss Day (Erinnere dich an deinen ersten Kuss Tag). Deswegen ist dieser Beitrag ausnahmsweise einen Tag verspätet ins Netz gegangen. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite nutzt Cookies und Nutzerdaten. Bitte entscheide dich, ob du zustimmst oder ablehnst!
376