Follower sind keine Richtlinie

[Meinung] Follower sind keine Richtlinie

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag so veröffentlichen soll, aber ich denke und hoffe, dass er ein paar Köpfe zum Nachdenken bringt. Mein nächster Beitrag sollte eigentlich die Rezension eines Romans werden. Aber besondere Ereignisse erfordern besondere Reaktionen.

Heute wurden wir Blogger durch eine neue Richtlinie der Frankfurter Buchmesse schockiert. Wir werden ab 2020 nur noch akkreditiert, wenn wir mehr als 2500 Follower aufweisen können. Zugegeben: Die Hürden, bei der Frankfurter Buchmesse akkreditiert zu werden, waren relativ gering, aber diese neue, zusätzliche Hürde stellt JEDEN Blogger vor eine Herausforderung. Das fängt damit an, dass wir, WordPress-Nutzer, überhaupt keine Follower haben. Wir sammeln unsere Reichweite mit Besuchern und Klickzahlen. Das heißt, theoretisch habe ich 0 Follower. Da müsste schon mal nachgebessert werden, sodass auch Besucherzahlen und/oder Klickzahlen statt Follower akzeptiert werden.

Viele Follower ist nicht gleich große Reichweite

Ein weiteres Manko dieser Definition hat Rene We aufgezeigt! Er schreibt in seiner Story: “Viele entscheiden sich bewusst dafür, ihre Followerzalen niedrig zu halten. Zwecks Reichweitensteigerung, um mehr aktive Follower zu haben etc. Die werden durch diese Entscheidung ebenfalls benachteiligt.” Damit öffnen wir ein sehr großes Fass, das auch mit dem Stichwort “Followerkauf” einher geht. Denn viele Follower heißt nicht automatisch große Reichweite. Diese Gleichung wird häufig dargelegt, aber sie trifft nicht immer zu! Es gibt einige schwarze Schafe, die sich Follower gekauft haben, um ihre hohen Zahlen zu erreichen. Diese Follower sind leider tot, denn sie tun nichts. Keine Klicks, keine Likes, keine Reichweite. Das wird gerne mal durch Algorithmen bestraft, indem Fotos nicht mehr angezeigt werden, weil der Kanal ja nicht relevant ist, wenn niemand reagiert.

Es werden Privilegien verteilt, die überdacht werden sollten. Viele Follower müssen es sein. Quantität geht dabei vor Qualität. Ein Instagramaccount mit 5000 Followern und ein Blog mit 10 Followern können die gleiche Qualität liefern und die gleiche Reichweite haben.

Networking ist das A und O für Blogger

Dann kommt dazu, dass kleine Blogs mit gutem Content auf der Strecke bleiben. Ihnen wird eine großartige Möglichkeit des Networkings genommen. Sie werden von Verlagsveranstaltungen ausgeschlossen, die unter der Woche stattfinden, weil die meisten Blogger keine Fachbesucher sind. Wo wir bei Networking sind: Viele Blogger treffen sich auf der Messe im Pressezentrum, um sich dort untereinander auszutauschen. Auch diese Möglichkeit wird einem genommen. Wir müssen uns irgendwo in vollgestopften Gängen oder auf einem vollgestopften Vorplatz treffen. Dann sind Treffen, wie ich es auf der Buchmesse 2016 erleben durfte, nicht mehr möglich. Durch solche Treffen habe ich viele Freundschaften knüpfen können. Bilder wie das Linke könnten der Vergangenheit angehören, weil die Zeit oder der Raum dazu nicht mehr da ist.

Auch meine Verlagskontakte kann ich am Wochenende nur schwer pflegen, weil die Ansprechpartner von Termin zu Termin hecheln müssen. Von einem Blogger wurde mir zugetragen, dass einige englischsprachige Verlage sogar bereits abreisen und somit für ihn Kontakte weg sind, wenn er nicht als Fachbesucher unter der Woche kommen kann.

Ist Chaos vorprogrammiert?

Mit meiner Meinung mag ich bei vielen gegen eine Wand rennen, weil Follower ja scheinbar das A und O für Blogger sind, aber ich denke, einige sehen das Problem nicht, dass hier geschaffen wird. Wenn ich keinen Blog hätte, müsste ich nicht mit anderen auf der Messe rumhängen. Aber ich will das! Ich will andere treffen. Ich will Menschen kennenlernen, mit denen ich mein Hobby teile. Ich will zu Verlagsveranstaltungen für ausgewähltes Publikum. Dazu möchte ich erwähnen, das häufig Veranstaltungen extra für uns Blogger unter der Woche stattfinden. Die auch noch ins Wochenende zu quetschen … wird … sagen wir … spaßig – sowohl für die Organisatoren, als auch für Blogger, die dafür binnen Minuten durch vollgestopfte Hallen müssen.

Ich würde mein Ticket ja bezahlen. Darum geht es mir nicht. Aber sobald mir die Akkreditierung genommen wird, bin ich keine Fachbesucherin mehr und darf nicht mehr unter der Woche zur Messe. Wenn ich wenigstens noch Fachbesucherin wäre, wäre alles ein geringeres Problem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.